Orrery

Schon die ersten Astronomen konstruierten Instrumente, um die Bewegungen der Himmelskörper zu messen. Einige dieser Instrumente eigneten sich nicht nur für die Vermessung des Himmelsgeschehens, sondern waren zugleich als Demonstrationsobjekte zu verwenden. Mit Hilfe eines solchen Modells, konnten die Vorgänge am Himmel gut erklärt werden. Geniale Erfindungen und Ideen ermöglichten die Herstellung immer besserer und präziserer Geräte für die Vermessung des Kosmos. Gleichzeitig wurden auch die mechanischen Anschauungsmodelle weiterentwickelt. Das Angebot reichte von der Armillarsphäre über astronomische Uhren und Tellurien bis hin zu den ersten Planetarien.




 

Unser Selbstbau-Orrery

Ein Planetarium, wie wir es heute kennen, wäre für eine kleine Sternwarte vielleicht wünschenswert, ist aber aus vielerlei Gründen nicht möglich. Dafür stehen uns aber andere interessante Möglichkeiten zur Verfügung. Dank moderner Computertechnik, können wir unseren Gästen parallel zu einem Vortrag, die neusten Bilder und Präsentationen aus dem Kosmos vorführen. Zusätzlich haben wir ein paar Modelle angefertigt, um hiermit die Himmelsmechanik zu erklären. Dies hat sich besonders bei der Arbeit mit Kindern bewährt und wird von unseren Gästen auch sehr positiv bewertet. Auf Grund der positiven Resonanz, haben wir uns kurzerhand entschlossen, unsere Modellpalette um ein neues Modell zu erweitern – ein Tischplanetarium. Diese Art von Darstellung war von 1600 bis hinein ins 19. Jahrhundert sehr populär.



Wir hatten eine klare Vorstellung davon und fertigten als erstes eine Skizze an. Folgende Kriterien waren für uns sehr wichtig: Das Modell muss sehr robust sein und jegliche Verletzungsgefahr muss ausgeschlossen werden, da es besonders bei der Vermittlung der Himmelsmechanik bei unseren sehr jungen Gästen zum Einsatz kommt. Insofern beschränkten wir das Planetarium auf die vier inneren Gesteinsplaneten, da die Halterungsstangen für die weiter außen befindlichen Gasplaneten zu lang geworden wären. Auch fehlt uns für ein derart großes Demonstrationsobjekt der Platz. Eine insgesamt kleinere Ausführung scheint uns für die Erklärung der Planetenbewegungen zu unübersichtlich. Auch sollte sich der Kostenaufwand in Grenzen halten. So entschieden wir, jeden einzelnen Planeten von einem eigenen 12V Gleichstrommotor laufen zu lassen. Das Kreisen aller Planeten über nur einen Motor, hätte zur Folge gehabt, dass wir ein ein sehr aufwendiges Getriebe hätten konstruieren müssen, denn: Die einzelnen Planeten müssen unterschiedlich schnell um die Sonne laufen. Außerdem meinen wir, dass ein Planetarium, ausgestattet mit nur einem Motor und einer komplizierten Übersetzung, wesentlich reparaturanfälliger ist.




 

Das Orrery vor einem "himmlischen" Hintergrund

Nun sollte die handwerkliche Arbeit losgehen. Die Motoren hatten wir, aber damit war es noch nicht getan, denn wir benötigten noch Achsen, Stangen, Lager und auch Zahnräder in den unterschiedlichsten Größen. Der Besuch in Heimwerkermärkten, das Blättern in Katalogen, sowie das Suchen im Internet machte uns deutlich, dass die Verwirklichung unserer Idee mit erheblichen Problemen verbunden war. Es war kaum möglich die einzelnen Elemente passend zu bekommen. Wer war nun in der Lage und auch mit dem dafür notwendigen Werkzeug ausgestattet, um die einzelnen Teile aus Rohmaterial herzustellen? Dieser jemand war schnell gefunden. Ewald von Holt aus Lüdingworth, der Schwager eines unserer Mitglieder. Ewald von Holt ist nicht nur mit sämtlichen Werkzeugen ausgestattet, sondern er verfügt auch über sehr viel technisches Wissen und über sehr hohe handwerkliche Fertigkeiten auf allen Gebieten. Eine einfache Skizze mit Erklärung genügte ihm, um zu wissen, was wir wollten. Zugegeben: Er erkannte auch sofort einige Schwachstellen an unserer Vorstellung. Somit fertigte er eine neue Konstruktionszeichnung an. Dann stellte er die notwendigen Teile an der Drehbank her und baute anschließend die Teile zu einem mechanischen Tischplanetarium, auch Orrery genannt, zusammen.

Nach der mechanischen Fertigstellung durch Ewald von Holt übernahm Benjamin Rinna den elektronischen Teil. Da die Planeten unterschiedlich schnell laufen müssen, benötigt jeder Motor eine Geschwindigkeitsregelung. Um dieses technische Problem zu lösen wurden vier unabhängige Drehzahlregler in einem separaten Gehäuse verbaut und über passende Steuerleitungen mit dem Hauptmodell verbunden. Durch diese Ausführung ist es nun möglich den Umlauf der inneren Planeten stufenlos zu regeln und die Himmelskörper entsprechend ihrer natürlichen Umlaufverhältnisse um die Sonne ziehen zu lassen.

Klicken Sie hier, wenn Sie das Orrery in Aktion erleben möchten! [10.530 KB]